100 Jahre Musikkapelle Peter Sigmair Olang 1908-2008

Peter Sigmair - der stille Held

Die Rückkehr zur Rettung des Vaters, Ölgemälde Franz Defregger
Dorfprominenz beim Errichten des Peter Sigmair Denkmals im Jahr 1909; Festschrift 2008, Seite 17

Die Musikkapelle im Jahr 1948: großes Kameradschaftstreffen der Oberpustertaler Musikkapellen in Mitterolang. "... unser tüchtiger Kassier Herr Mair Franz war der Hauptträger des Gedankens und wohl auch der unermüdliche und eifrigste Organisator der ganzen Veranstaltung." Im Rahmen der Veranstaltung erfolgte nicht nur die Einweihung des selbst erbauten Musikheimes, die Ehrung der 3 noch lebenden Gründungsmitglieder, sondern auch die Umbenennung des Vereins in "Peter Sigmair Kapelle".

 

In der Musikchronik des Jahres 1948 berichtet der Schriftführer Andrä Neunhäuserer über das große Kamperadschaftstreffen und Jubiläumsfest u. a. auch über die Umbenennung der Musikkapelle: "... sie erhielt den Namen unseres Tirolerhelden "Peter Sigmairkapelle" dessen wir auch stolz sind und bemüht sein werden, ihm würdig und in Ehren zu tragen."

Der Vorschlag zur Namensgebung geht auf das ehemalige Mitglied Max Prugger zurück, welcher selbst lange aktiv in der Musikkapelle mitgewirkt hat und noch viele Jahre als einer der treuesten Unterstützer die Kapelle gefördert hat. Der Name des Olanger Freiheitskämpfers Peter Sigmair, noch heute als Held  oder Märtyerer der Kindesliebe in Erinnerung, bedeutet eine große Ehre für die Kapelle, zugleich aber auch eine Herausforderung.

Peter Sigmair wird in den unruhigen Jahren nach dem Anschluss Tirols an Bayern (1805) in Folge der napoleonischen Kriege zum Oberleutnant der Olanger Schützenkompanie des Landgerichtes von Niederrasen bestimmt. Als Leutnant führt er die Olanger Schützen in der Luggau, Kreuzberg und in Ampezzo; vor allem bei Grenzsicherungsmaßnahmen, fernab der berühmten Schlachten. Später dürfte er bei der Belagerung des von Franzosen besetzten Bruneck Ende November 1809 mit dabei gewesen sein. Die Erhebung der Pustertaler Schützen ist nach dem Eintreffen französischer Verstärkung zum Scheitern verurteilt.

Der Tharerwirt flüchtet daraufhin auf die Rindleralm in Geiselsberg, während französische Soldaten sein Heimathaus durchsuchen. Da sie nicht finden, wen sie suchen, nehmen sie stattdessen seinen Vater gefangen - mit der Drohung, der werde nun an Sohnes statt erschossen. Als Peter davon erfährt, entschließt er sich sofort, sich zu stellen und wird am 14. Januar 1810 am Platz des heutigen "Tharerstöckls" beim Baumgartnerhof hingerichtet.

Peter Sigmair, im Gegensatz zu Andreas Hofer und anderen Tiroler Freiheitshelden eher wenig bekannt, gilt als ein "stiller" Held, der sich aber gleichwohl um die Heimat nicht weniger verdient gemacht hat. Er hat Zeugnis abgelegt und ein Beispiel dafür gegeben, wie man mit Würde für eine gerechte Sache eintreten kann, ohne neue Gewalt hervorzurufen. Sein Beispiel zeigt, welche Werte letztendlich wirklich zählen, allen politischen und militärischen Widrigkeiten zum Trotz. Er ist seine Aufgabe mit dem Gleichmut und der Todesverachtung desjenigen angegangen, der weiß, dass sein Anliegen mehr zählt als er selbst. Darin liegt sein wahrer Heldenmut. Darin hat er sich auch bei seinen Gegnern Ansehen und Achtung erworben.

Die Musikkapelle Peter Sigmair hat es sich zur Aufgabe gemacht, an diesen stillen Helden zu erinnern, seinen Namen sprichwörtlich in alle Welt "hinauszusposaunen". Trotz aller Notwendigkeit der Erneuerung, trotz des Schritthaltns mit modernen Entwicklungen, das Erhaltenswerte aus unserer Überlieferung soll gesichert und weitergeführt werden. Nicht mit großartigen Gesten oder marktschreierischen Aktionen, sondern durch standhaftes Beispiel und nachhaltige Aufbauarbeit.

Mehr zum Olanger Freiheitshelden und Namensgeber der Kapelle in der Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterFestschrift zum 100-Jahr-Jubiläum