100 Jahre Musikkapelle Peter Sigmair Olang 1908-2008

Musik und Politik ... über die Gründung der Musikkapelle

Josef Egger, Kapellmeister 1908 - 1929
Max Prugger, Obmann 1925 (Foto: 1966)

Was hat die „große“ Politik im Zentrum der Habsburger Monarchie mit dem beschaulichen Leben auf dem Lande zu tun?

Im Jahre 1883, bekommen drei junge Mitterolanger die Möglichkeit ein Blasinstrument zu erlernen. „Es war im Herbst, da kam ein Nachbarsohn zu mir und sagte, du der Nassenweger (das war der Musikkapellmeister in Niederolang) möchte jetzt junge Musikanten abrichten, ob ich bereit sei mitzumachen. Ich war natürlich einverstanden. Dazu kam noch der Bintersohn von Mitterolang. Nun gingen wir die Woche 3mal nach Niederolang zur Musikprobe, der älteste bekam eine Bassposaune, einer eine Klarinette, ich eine Trompete.“

 

In der Folge beginnt Egger selbst neue Musikanten auszubilden, so dass die Mehrheit der Musikanten Mitterolanger sind und auch die Proben teilweise in Mitterolang abgehalten werden.

 

Nun hat die Entwicklung der Christlichsozialen Partei als demokratische Partei mit katholischen Wurzeln in der Donaumetropole auch Auswirkungen auf das Leben im weit entfernten Olang. Zwei politische Lager haben sich gebildet und Josef Egger kommt im Jahr 1902 mit einigen Schulkollegen als Vertreter der Christlichsozialen Partei in den Gemeindeausschuss. Das bis dahin gute Verhältnis mit Kapellmeister Unterberger, „ein stark konservativer Mann welcher großen Einfluss hatte in der Gemeinde“ kühlt sich in der Folge merklich ab, bis es einige Zeit später zum endgültigen Bruch kommt.

 

„Die zwei Gastwirte in Niederolang waren politische Gegner, Pfarrwirt christlichsozial Brückenwirt konservativ, … Es war im Fasching da fiel den beiden Wirten ein, eine Faschingsunterhaltung zu veranstalten. Der eine hielt ein Kränzchen der andere veranstaltete einen Ball. Jetzt handelte es sich um die Musik hierzu. Der Brückenwirt ging zum Nassenweger um die Musik hierzu, der Pfarrwirt zu mir. Jetzt war guter Rat teuer“

 

Zwei Tage lang schreibt Egger „fast Tag und Nacht Noten“ und besorgt außerdem zur Sicherheit Instrumente aus Taisten, um auf jeden Fall „die Musik beim Pfarrwirt besorgen zu können“, was auch ohne Probleme gelingt. Tags darauf kommt es zu einer Aussprache in Anwesenheit des Feuerwehrkommandanten (der Großteil der Instrumente ist Eigentum der Feuerwehr), wobei sich die Meinungsunterschiede zwischen Egger und Unterberger als derart unüberwindbar herausstellen, dass Unterberger nur noch einwilligt die Musik weiterzuführen, wenn „kein Musikant aus Mitterolang“ dabei sei.

 

Es vergeht dann einige Zeit, bis die Musik in Niederolang mit neuen jungen Leuten wieder spielfähig ist, „ohne dass die Welt dadurch in Brüche ging“.

 

Unter den neuen Musikanten ist auch ein Schustermeister, Thomas Niedermair, welcher nach einiger Zeit in Oberolang einheiratet und schließlich an Egger herantritt, dieser möchte doch eine Musikkapelle Ober- und Mitterolang zusammenstellen.

 

Egger, inzwischen Gemeindevorsteher, weigert sich einige Zeit, bis er schließlich auf Drängen der Ober-olanger doch einwilligt „Auch der Trotz gegen Niederolang dürfte etwas beigetragen haben.“

 

(Josef Egger, Lebenserinnerungen)


1925: Fröhliche Feier endet im Bozner Gefängnis: Kapellmeister und Obmann in Untersuchungshaft

Über eine Episode, welche gut veranschaulicht, wie sehr die Menschen bereits in den 20er Jahren unter dem Faschismus zu leiden haben, berichtet die Musikchronik aus dem Jahre 1925:

 

„Der Monat Mai brachte uns eine Verstärkung in den vom Militär zurückgekehrten Musikern Michl Pörnbacher und Hans Mair. Jedoch sollten zwei andere wandern auf eine Spanne Zeit, unser Kapellmeister Egger und der Obmann Prugger, die auf ganz ungeklärte Weise die Opfer einer sinnlosen Verleumdung wurden.“ Egger berichtet in seinen Erinnerungen detailliert über den Vorfall. So führt allein das Zuhören eines von Bonifatz Kieferle (Kaplan und Hobby-Dichter, Geiselsberg) nach eigener Dichtung mit Melodie der österreichischen Volkshymne vorgetragenen Spottliedes zu vorgerückter Stunde zur Verhaftung von Egger, Prugger und Karl Steurer sowie einer folgenden 25tägigen Untersuchungshaft im Gefängnis Bozen.